Von Rauke Xenia Bornefeld | 04.06.2008, 18:03
Aachen. Viele Köche
verderben den Brei? Hier ganz sicher nicht. Das Konzert der «drei Chöre» -
nämlich Aachener Kammerchor, Camina Mundi und Madrigalchor Aachen - in der Aula
Carolina stellte ein harmonisches Ergebnis chorischer Zusammenarbeit dar.
Bereits jedes einzelne Ensemble gehört zu dem besseren
Teil, den die vielfältige Chorlandschaft Aachens zu bieten hat. Das stellten der
Kammerchor unter der Leitung von Martin te Laak, Camina Mundi unter der Leitung
von Harald Nickoll und der Madrigalchor unter der Leitung von Hans Leenders im
ersten Teil des voll besetzten Konzertes eindeutig unter Beweis.
Dabei zeigten alle drei Chöre eine besondere Vorliebe für skandinavische und
baltische Komponisten sowie für zeitgenössische Kompositionen.
Der Madrigalchor begann mit fünf Miniaturen «When I» des Litauers Vytautas Mi
kinis - eine Deutschlandpremiere - und schaffte es damit sogleich, das Publikum
bis in die letzten Reihen der Aula Carolina in seinen Bann zu ziehen.
Besondere Anforderungen an die Harmonie zwischen den Sängern stellten die
David-Psalmen des Esten Cyrillus Kreek. Sowohl der Madrigalchor, der Psalm 141
(«Herr, ich rufe zu dir, eile zu mir») und Psalm 104 («Lobe den Herrn, meine
Seele») intonierte, erzeugte hier einen an die Seele rührenden Klangteppich, als
auch der Kammerchor, der den Psalm 121 («Dass dich des Tages die Sonne nicht
steche, noch der Mond des Nachts») sowie eine Zusammenstellung aller drei
Psalmen («Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen») übernommen hatte.
Ins Träumen konnten die Zuhörer auch bei «I´ll be seeing you» des
US-amerikanischen Songwriter-Duos Sammy Fain und Irving Kahal geraten - gesungen
vom Aachener Kammerchor.
Camina Mundi indes setzte auf den Finnen Einojuhani Rautavaara und den Schweden
Thomas Jennefelt. Zumindest an der schwedischen Komposition, die in einer
Kunstsprache vorgetragen wurde, schieden sich die Geister. Jedoch nicht am
musikalischen Vermögen des Deutschen Meisters der Chöre: Ebenso wie die beiden
anderen Ensembles glänzte auch Camina Mundi mit chorischer Harmonie, guter
Beweglichkeit und sängerischer Brillanz.
Würde dieser Eindruck auch nach der Zusammenführung der drei Spitzenchöre
erhalten bleiben? Die Antwort: Ja. Und das Klangvolumen nahm naturgemäß noch zu
- ohne allerdings die Nuancen der Stücke zu verwischen oder die Ausgewogenheit
der Stimmen zu stören.
Georg Schumann (Drei geistliche Gesänge op.31), noch einmal Rautavaara («Halavan
himmeän alla») und Hans Leenders´ «O-Antifonen» standen im zweiten Teil des
Konzertes auf dem Programm. Dass Chormusik schließlich auch mal ganz
überraschend daher kommen kann, zeigten die Sänger der «drei Chöre» schließlich
in einer Improvisation des schwedischen Volkslieds «Utti vŒr hage» von Boke
Jonsson.