Aachener Nachrichten Montag, 2.6.2008
Musikalischer Hochgenuss im Dreierpack
Von Jule Klieser
01.06.2008, 20:42
Aachen. Wenn drei Chöre der Spitzenklasse
in der Aula Carolina singen, kann das zu einem besonderen Erlebnis werden. Wer
am Samstag dabei war, wird das Konzert so schnell nicht vergessen, denn
eindrucksvoll war vor allem der gemeinsame Auftritt von Aachener Kammerchor,
Carmina Mundi und Madrigalchor Aachen im zweiten Teil.
Etwa 90 Sängerinnen und Sänger stimmten geistliche Gesänge von Georg Schumann
und Lieder des finnischen Komponisten Einojuhani Rautavaara an, und die
menschlichen Stimmen füllten wie sphärische Klänge den Kirchenraum. Diese
herrliche Chormusik (auch Werke von Hans Leenders, Hugo Alfven und Boke Jonsson
sangen die drei Chöre zusammen), teils schwermütig, teils aufwühlend, hielt die
Zuhörer in ihrem Bann. Nicht die kleinste Bewegung gab es in den vollen
Sitzreihen, viele Besucher standen sogar in den Seitenschiffen und gaben sich
dem Hörgenuss hin.
Makellos die Stimmen, die Einsätze, die Interpretation. Zuvor hatten die drei
Chöre einzeln ihre beeindruckenden Leistungen gezeigt.
Aber sie können ja auch als Profis gelten. Beispielsweise hat der Madrigalchor
schon mehrere Preise bei internationalen Chorwettbewerben eingeheimst. Er
eröffnete den musikalischen Reigen mit fünf Miniaturen, «When I....» des
litauischen Komponisten Vytautas Miskinis.
Diese vertonte Gedichtreihe ließ schon ahnen, was für ein spannendes und
vielseitiges Programm die Zuhörer erwartete. Zwei Stücke aus der Kirchenmusik
von Maurice Duruffé und Cyrillus Kreek interpretierte der Madrigalchor ebenso
überzeugend. Die Männer und Frauen können so leise singen, dass die Töne nur so
schweben, und dann wieder fortissimo und kristallklar.
Kontrastreich ging es weiter mit Paul McCartneys «Blackbird», vorgetragen vom
Aachener Kammerchor. Dieses Ensemble trug eine heitere Note in das Konzert, auch
mit «I´ll be seeing you» aus der amerikanischen Musical-Welt.
Carmina Mundi, eine fast 40 Personen starke Gruppe, brillierte mit allen
Chorqualitäten, die man sich vorstellen kann.
Sie boten überraschende Highlights aus ihrem Repertoire, beispielsweise ein
Stück in einer erfundenen Sprache von Thomas Jennefelt. Gut an kam auch die
«Fuge aus der Geographie» von Ernst Toch, ein Stück, bei dem Städte- und
Landschaftsnamen im mehrstimmigen Sprechgesang wellenförmig auf- und
niedergehen.
Bei diesem Ensemble fällt die symbiotische Beziehung zwischen Chorleiter und
Sängern sofort auf, mit der die Qualität eines Chores steht und fällt. Sie wurde
beim Konzert teilweise regelrecht sichtbar. Manchmal bewegte sich der Dirigent
mit dem Wesen und Rhythmus der Musik wie eine Weide im Wind, und die Sänger
folgten intuitiv seiner Körpersprache.
Applaus brandete auf, als das Konzert zu Ende ging und niemand eigentlich
wollte, dass es zu Ende ist. Nach einer Zugabe entließen die Zuhörer schließlich
die Sangeskünstler, beglückt von einem beeindruckenden Musikerlebnis.