Vorweihnachtliche Freuden im Eurogress mit englischer Tradition
Von Pedro Obiera | 15.12.2008, 16:13
Aachen. Das Vorspiel zu «Hänsel und Gretel» zum Auftakt und den «Abendsegen» zum Abschluss. Die Ohrwürmer aus Humperdincks Märchenoper, die Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch so sehr am Herzen liegen, scheinen sich in die Programmgestaltung des Weihnachtskonzerts «Gold und Silber» so fest einzubrennen, wie «Rule Britannia» in die «Night of the Proms».
Auch sonst hat sich beim
dritten Anlauf des äußerst beliebten Konzerts im wiederum voll besetzten
Eurogress wenig geändert. Allenfalls die Akzente wurden etwas anders gesetzt.
Die von Martin te Laak vorbildlich geführten Aachener und Overbacher
Kammerchöre, denen im letzten Jahr eher dekorative als substantielle Aufgaben
zukamen, rückten stärker in den Mittelpunkt. Und das mit vollem Recht.
Da ließen gleich zwei A-Cappella-Gesänge aufhorchen, eine extrem knifflige
Bearbeitung von «Es ist ein Ros entsprungen» aus der Feder des schwedischen
Komponisten Jan Sandström und ein nicht minder heikles, von te Laak persönlich
angefertigtes Arrangement von «O come All Ye faithful». Gesänge, die die
Intonationsstabilität jedes Chores auf eine harte Probe stellen.
Zusammen mit dem Aachener Sinfonieorchester sowie den Solisten Michaela Maria
Mayer (Sopran) und Martin Berner (Bariton) setzten die Chöre mit Ausschnitten
aus Bachs «Magnificat» auch den festlichen Schlusspunkt des ersten
Programmteils. Bosch sorgte mit zügigen Tempi und einer sehr flexiblen
Phrasierung für vorweihnachtliche Freude.
«Very British» ging es nach der Pause zu mit Kompositionen und Arrangements von
John Rutter. Zunächst das repräsentativ-bombastische «Gloria» mit starker
Bläserbesetzung und dann vier subtil bearbeitete Weihnachtlieder in guter
englischer Tradition. Ausschnitte aus Saint-Saens´ Weihnachtsoratorium und die
Überreichung der Silbernen Rose aus dem «Rosenkavalier» komplettierten den
musikalischen Teil.
Drei Geschichten
Und dann war da noch Stargast Mathieu Carriére als Rezitator dreier
Weihnachtsgeschichten am Werk. Leger, etwas kokett auf Konflikte mit seinem
neuen Zahnersatz anspielend, startete er, anfänglich noch etwas lustlos, mit dem
dänischen Märchen «In Hülle von Fülle», eine reizvolle Geschichte um
Bescheidenheit und Habgier.
Im «Tanz des Räubers Horrificus», der als Schrecken der Wüste der Gottesmutter
begegnet und von ihr als besänftigt wird, entfaltete er allmählich seine
schauspielerischen Fähigkeiten, was sich nach Pause fortsetzte. Insofern führte
Carriére die von seinen Vorgängern Mario Adorf und Sky du Mont gesetzten
Maßstäbe recht würdig fort.
Vergessen werden darf nicht der einfühlsame, etwas geradlinige Beitrag der
Solo-Oboistin Blanca Gleisner mit dem langsamen Satz aus Bachs Oboenkonzert
F-Dur und das gemeinsame Liedersingen vor dem krönenden «Abendsegen».