Von unserem Mitarbeiter Pedro Obiera | 10.12.2007, 18:12
Aachen. Das erste Weihnachtskonzert des Sinfonieorchesters
Aachen vor einem Jahr wurde ein voller Erfolg. Auch in diesem Jahr konnte man
sich über einen bis auf den letzten Platz besetzten Eurogress freuen.
Anlass, an dem bewährten Konzept des Vorjahrs zu rütteln, gab es nicht. Und so
scheint sich die Mischung populärer, weihnachtlich angehauchter Musik mit der
Lesung eines Medienstars als Dauerbrenner zu etablieren. Lediglich der
Zeitrahmen fiel etwas knapper aus: Das dreieinhalbstündige Programm des Vorjahrs
«straffte» man um eine halbe Stunde.
Gute Stimmung
Die Stimmung war gut. Dafür sorgte nicht zuletzt Generalmusikdirektor Marcus
R. Bosch, der als gut gelaunter Moderator auch kleine Pannen souverän
überspielte. So traf der Schauspieler Sky du Mont wegen einer Autobahnsperre der
A4 erst gegen Ende des ersten Programmteils ein. Die Lücke füllte Bosch mit
einer Überraschung der besonderen Art. Mit seinen Kapellmeistern und engsten
nichtmusikalischen Mitarbeitern stimmte er im Blockflötenensemble «Stille Nacht»
an, was auch fast zwei Strophen lang erstaunlich gut ging.
Zum Auftakt gab es die Ouvertüre zu Humperdincks «Hänsel und Gretel», nach
eigenem Bekunden eine der Lieblingsopern Boschs. Festlich mit dem strahlenden
Bläserglanz des Solo-Trompeters Makio Kataoka und der koloraturgewandten
Sopranistin Eva Bernard ging es mit einer Arie aus Händels «Samson» weiter.
Besinnliche Klänge steuerte die Mezzosopranistin mit zwei schwedischen und
französischen Gesängen bei. So geschickt Peter Lischewski die Gesänge für
Orchester arrangierte, der skandinavische Beitrag lag der Sängerin unbequem
tief. Bei Adolphe Adam konnte sie den Charme ihrer Stimme erheblich
vorteilhafter zur Geltung bringen.
Und dann erschien endlich Gaststar Sky du Mont, der weltgewandte Herzensbrecher
aus Film und Fernsehen. Auch live eine imposante Persönlichkeit mit einer
sonoren, angenehmen Stimme. Elegant trug er im Verlauf des Abends vier
heiter-besinnliche Kurzgeschichten zum Fest vor und sparte nicht mit feinem
Humor.
«Das Weihnachtsgeschenk» von O. Porter alias William Henry Porter war ebenso
dabei wie Hans Christian Andersens Märchen vom traurigen «Weihnachtsbaum». Wie
schon Mario Adorf im Vorjahr erfreute auch Sky du Mont mit zwei Geschichten von
Margret Rettich, allerdings nicht den gleichen. Der sympathisch menschelnde
Hintersinn der Erzählungen kam im nobel-reservierten Vortragsstil du Monts
ebenso gut zur Geltung wie im bodenständigeren Auftritt von Mario Adorf im
Vorjahr.
Ihre feinen, aber kleinen Aufgaben bewältigte der von Martin te Laak
einstudierte Aachener Kammerchor mit einer Choralkantate von Mendelssohn
Bartholdy auf gewohnt erfreulichem Niveau. Musikalisch stand Peter Tschaikowski
im Mittelpunkt des zweiten Programmteils, und zwar mit apart musizierten
Ausschnitten aus dem «Nussknacker» und der schwärmerischen Elegie aus dessen
Streicherserenade.
Mit vier Weihnachtsliedern wurden alle Gäste zum Mitsingen eingeladen. Und mit
dem «Abendsegen» aus «Hänsel und Gretel» klang das offizielle Programm nach gut
drei Stunden schlicht aus.
Als Programmgestalter gönnte sich Marcus R. Bosch noch den «persönlichen Luxus»,
als Geburtstagsständchen für seine Mutter deren Lieblingslied, Beethovens
«Liebeslied», am Klavier zu begleiten. Es sang Bariton Martin Berner.
Begeisterter Beifall für einen weihnachtlichen Blumenstrauß auf hohem Niveau.