Konzertkritik Aachener Zeitung vom 6.12.2004 

Strahlend und imposant, auch berührend und intim

Aachen. Große Ensembles sowie Musik von akustischer Opulenz und innerer Weiträumigkeit: Das Konzert am Samstagabend im gut besetzten Krönungssaal des Aachener Rathauses bestach durch innere Stimmigkeit und künstlerischen Glanz.

Dem Publikum stellten sich das von Reinmar Neuner geleitete Aachener Kammerorchester und - teils mit den Instrumentalisten vereint - der Aachener und Overbacher Kammerchor unter Martin te Laak.

Der Auftakt, wie die zwei folgenden Programm-Punkte vom Chor a cappella aufgeführt, bot den denkbar glücklichsten Beginn: Das Sanctus des Schweizer Komponisten Frank Martin (1890-1974) setzte mit seiner meditativen Stimmung einen angemessenen Kontrapunkt zum anfangs noch lärmigen Getriebe des Weihnachtsmarkts auf dem Markt.

Einen ähnlichen Gegenpol zum Umfeld der Aufführung setzten auch das Agnus Dei von Krzystof Penderecki, das einzige Werk eines lebenden Komponisten, und die zwei Marienlieder von Bohuslav Martinu (1890-1959), die sich beide durch einen archaisierenden Grundton, im letzteren Fall sogar durch eine hörbare slawische Harmonik auszeichneten.

Danach hatten die Damen und Herren des Orchesters das Feld erst einmal für sich. Unter Leitung von Reinmar Neuner (die Stabführung bei den anderen Werken lag bei Chor-Dirigent Martin te Laak) zeichneten die Musiker mit dem «Villancio» von Joaquin Rodrigo (1901-1999), einem instrumental gefassten Weihnachtslied, ein breites musikalisches Panorama mit folkloristischen Anklängen.

Vollends trumpften sie jedoch erst bei Mozarts Jupiter-Sinfonie auf. Temperamentvoll dargeboten, zeichnet sich die Interpretation - vielleicht dank Neuners zupackendem Dirigat - durch eine ausgewogenen Mixtur von ausgewogenen und vital ausdrucksfreudigen Elementen aus. Besonders die Strahlkraft des Klangbildes bei gleichzeitiger Wahrung der dramatischen Innenspannung machte das Zuhören zu einem Erlebnis.

Strahlend und imposant, dabei berührend und auf eine geradezu kammermusikalische Weise intim wirkte nach der Pause Martin te Laaks Umsetzung von Joseph Haydns «Missa in Angustiis». Diese «Messe in Zeiten der Bedrängnis», die auch als «Nelson-Messe» (der englische Admiral, Kriegs- und Frauenheld soll 1800 Augen- und Ohrenzeuge einer Aufführung gewesen sein) bekannt ist, bestach durch ihre nuancenreich ausgeformte Vielfalt.

Dank des sorgsam austarierten Zusammenspiels von Chor, Orchester und Solisten (Antje Bitterlich, Sopran, Anna Schander, Alt, Thomas Peter, Bass, und Alexander Nagel, Tenor) gelang den Beteiligten die faszinierende, vor allem plastisch wirkende Gestaltung einer musikalischen Landschaft, in der sich kontemplative, lyrische Passagen mit solchen von hoch expressiver Prägung wie Berge und Täler verbanden.

Vor allem aber zeugte der Gesamteindruck von künstlerischer Lebendigkeit. Und die haben die Zuhörer zu Recht mit begeistertem Beifall belohnt.

Von unserem Mitarbeiter Christoph Hahn   (05.12.2004 | 19:50 Uhr)

Konzertkritik Aachener Nachrichten vom 7.12.2004
Erster musikalischer Höhepunkt zur Adventszeit 
Kammerorchester und Chöre boten im Krönungssaal ein Konzert der Extraklasse. Voller Klangpracht und rhythmischer Präzision.
 
Aachen. Der Advent hat bereits einen musikalischen Höhepunkt gefunden: das Aachener Kammerorchester und der Aachener und Overbacher Kammerchor brachten Haydns "Nelson-Messe" in einer brillanten Darbietung im Krönungssaal zu Gehör. Die Klangpracht und rhythmische Präzision des Chores, die jubelnde Virtuosität des Orchesters, und nicht zuletzt die anrührende Innigkeit der Solisten gaben der Messe das großartige Gepräge, das Haydn mit dieser Komposition beabsichtigt haben muss. Martin te Laak leitete die Aufführung mit ruhiger Präzision und verstand es, hier wie auch schon im a-capella-Beginn des Konzertes, den Chor in allen dynamischen Abstufungen zu schönster Klangentfaltung zu bringen. Sehr wach und absolut intonationssicher, reagierten die Sängerinnen und Sänger wendig und mit großer Begeisterung.

Sie verwandelten die geistlichen Werke von Martin, Penderecki und vor allem die Marienlieder von Martinu zu einem klanglichen Erlebnis, dem sie mit ahsoluter Sicherheit auch rhythmische Prägnanz verliehen. 

Das Orchester führte sich unter seinem Dirigenten Reinmar Neuner mit einem kleinen Streicherstück von Rodrigo ein, das mit empfindlichen Flageoletti sphärische Klänge in den Raum stellte. Das orchestrale Hauptwerk des Abends, Mozarts "Jupitersinfonie", wurde mit vielen feinen Nuancen musiziert, Neuner ließ es aber auch nicht an einer gehörigen Portion Dramatik fehlen. Die temperamentvolle Interpretation wirkte allerdings an manchen Stellen etwas gehetzt, man vermisste im leicht basslastigen Klang noch ein wenig Glanz der hohen Streicher, der später an den hochvirtuosen Streicherstellen der Haydn-Messe wirkungsvoll hervorglitzerte. 

Gute Solistenriege 

Unter den Solisten des Abends glänzten vor allem Antje Bitterlich mit klarer, durchsetzungfähiger Sopranstimme, die sie mit ausdrucksstarkem Vibrato schmückte, und Thomas Peter mit voluminösem und bis in die Tiefen gut zu verstehendem Bass. Anna Schander mit schöner, dunkel gefärbter Altstimme und Alexander Nagel als leuchtender Tenor ergänzten die ausgewogene Solistenriege. 

Für den herzlichen Applaus bedankten sich Chor und Orchester mit einem Adventsgruß von John Rutter, der den Abend mit weichen Akkorden ausklingen ließ, nach dem großartigen "Dona nobis pacem" der Messe aber nicht unbedingt nötig war. 

Von unserer Mitarbeiterin Eva März